Pressekonferenz 2012

Prof. Dr. Uwe Pleyer

Eine interdisziplinäre Aufgabe: Augenentzündungen bei Rheuma

Entzündungen im Augeninneren treten vielfach in Verbindung mit rheumatischen Krankheiten auf.
Bei Autoimmunkrankheiten greift der Körper eigenes Gewebe an.
Diese Augenentzündungen können sehr schwerwiegend verlaufen, wobei die Symptome und die Ausprägung sehr vielfältig sind.
Unter dem Oberbegriff Uveitis werden Entzündungen im vorderen Augenabschnitt, im Glaskörper, am Augenhintergrund oder auch Entzündungen des gesamten Auges zusammengefasst.
Oft sind schon Patienten im jüngeren Lebensalter von dieser meist chronisch wiederkehrenden Krankheit betroffen.

Sie kann gravierende Einschränkungen des Sehvermögens nach sich ziehen bis hin zur Erblindung und bedeutet für die Betroffenen auch eine starke psychische Belastung.
Die interdisziplinäre Betreuung ist daher in vielen Aspekten für die Patienten entscheidend.
Es gilt, sowohl die diagnostischen als auch die therapeutischen Maßnahmen sorgfältig zu koordinieren.

Augenärzten steht eine ganze Reihe von Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, um die Entzündungen in den Griff zu bekommen.
Für die akute Behandlung reichen oft Kortison-haltige Augentropfen aus.
In schwereren Fällen kann man Kortison unter die Bindehaut oder hinter das Auge spritzen, auch eine systemische Behandlung mit Kortison-Tabletten ist möglich.
Bei jeder Behandlung mit Kortison muss man mit Nebenwirkungen rechnen: Der Augeninnendruck kann ansteigen, so dass ein Glaukom (Grüner Star) entstehen kann.
Ein weiteres Risiko ist eine Linsentrübung (Kortison-Katarakt).
Bei häufig wiederkehrenden Entzündungsschüben besteht die Möglichkeit, auf immunmodulierende Wirkstoffe aus der Rheumatologie wie Methotrexat oder Cyclosporin A auszuweichen.

Innovative Behandlungsansätze aus der Rheumatologie mit so genannten Biologika kommen auch Uveitis-Patienten zugute.
Sie blockieren den Tumonekrosefaktor (TNF-α), einen zentralen Signalstoff im menschlichen Immunsystem.
Vor allem die Wirkstoffe Infliximab und Adalimumab haben sich in der Behandlung von Uveitis-Patienten bewährt.
Dabei findet die Therapie im Rahmen des off-label-use statt, da die Medikamente für die Behandlung der Augenkrankheit nicht zugelassen sind.
Ein neuer Antikörper, der zur Behandlung der anterioren Uveitis lokal angewendet werden kann, ist derzeit in der klinischen Erprobung.

Ein Hauptgrund für die Sehverschlechterung bei Uveitis ist das zystoide Makulaödem, dessen Entstehung durch die Entzündungsmediatoren gefördert wird.
Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), die Retinologische Gesellschaft (RG) und der Berufsverband der Augenärzte (BVA) empfehlen in einer Stellungnahme zur Therapie des Makulaödems bei Uveitis ein schrittweises Vorgehen.
Mit der systemischen Gabe des Wirkstoffs Acetazolamid versucht man zunächst, eine Rückbildung des Ödems zu erreichen.
Gelingt das nicht, folgt als zweiter Schritt die Injektion des Kortisons Triamcinolon hinter das Auge.
Im dritten Schritt können so genannte VEGF-Hemmer (Ranibizumab oder Bevacizumab) oder ein Kortison-Implantat (Ozurdex) in den Glaskörper eingebracht werden.
Vorteil der VEGF-Hemmer gegenüber dem Kortison-Implantat ist, dass sie weniger Risiken aufweisen, wie etwa Linsentrübung und Anstieg des Augeninnendrucks.
Andererseits ist ihre Wirkung nicht sicher belegt und oft nur von kurzer Dauer, sodass meist mehrere Injektionen notwendig sind.
Ozurdex wurde dagegen für die Behandlung der Entzündung im Augeninneren zugelassen und wirkt mehrere Monate lang.