Pressekonferenz 2011

Bertram

Klarheit schaffen!

Leistungen der Augenheilkunde sind gefragt: Bis 2030 wird die Nachfrage auch bei einem Bevölkerungsrückgang um 3,5 Prozent um 10 Prozent wachsen, das geht aus einem Gutachten des Gesundheitsökonomen Prof. Dr. Eberhard Wille hervor. Die Gründe dafür sind in der Alterung der Gesellschaft und in der damit verbundenen Zunahme von Augenkrankheiten zu sehen. Hinzu kommt der enorme medizinische Fortschritt in der Augenheilkunde. Die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten, Sehbehinderung oder gar Blindheit zu vermeiden, erweitern sich ständig.

Gesundheitspolitiker sind gefordert, Konzepte zu entwickeln, um den wachsenden Bedarf an augenärztlichen Leistungen zu decken. Vor allem die Vergütung der augenärztlichen Grundversorgung muss besser werden. Denn das Gros der Patienten kommt zu Untersuchungen, zu nicht-operativen Therapien sowie zur Früherkennung von Krankheiten, die das Sehvermögen bedrohen, in die Augenarztpraxen.

Die Tätigkeit als nicht operativ tätiger niedergelassener Augenarzt wird immer unattraktiver. Eine stetig wachsende Zahl junger Ärzte scheut deshalb das Risiko, sich in einer Augenarztpraxis niederzulassen. Hauptgrund ist neben der schlechten Honorierung die fehlende Planungssicherheit im deutschen Vertragsarztwesen. Das Honorar für Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) schwankt von Quartal zu Quartal erheblich. Daneben droht die Abschaffung der privaten Krankenversicherung als Vollversicherung. Der Bewertungsausschuss kann das Honorar für einzelne Leistungen kurzfristig senken. Ebenso kurzfristig können Verträge mit Krankenkassen zu speziellen Leistungen gekündigt werden. Beim Angebot medizinisch sinnvoller Individueller Gesundheitsleistungen (IGeL) drohen massive Erschwernisse. Diese "Spezialitäten" des Vertragsarztwesens verunsichern aktive junge Kollegen. Darunter leidet die wohnortnahe Patientenbetreuung in Einzel- und kleinen Gemeinschaftspraxen.

Die Gesellschaft war bisher nicht bereit, die steigenden Kosten für den Mehrbedarf in der augenärztlichen Grundversorgung und für die innovative Diagnostik über das GKV-System zu finanzieren. Seit einigen Jahren schon befinden sich Augenärzte deshalb in einem Dilemma: Sie wollen ihren Patienten die Untersuchungen anbieten können, die in den Stellungsnahmen und Leitlinien der Fachgesellschaften als medizinisch sinnvoll und notwendig empfohlen werden. Denn sonst handeln sie wider besseres Wissen und nicht dem aktuellen medizinischen Standard entsprechend. Aber die gesetzlichen Krankenkassen zahlen dafür nicht. Deshalb bleibt Augenärzten nur die Möglichkeit des IGeL-Angebots, das aber häufig als "Abzocke" angeprangert wird.

Der Berufsverband der Augenärzte Deutschland hat die Initiative "Klarheit schaffen" ins Leben gerufen. Sie will aufklären über die Möglichkeiten der modernen Augenheilkunde, das Sehvermögen bis ins hohe Alter zu erhalten. Denn aufgeklärte Patienten wissen den Wert ihrer Sehkraft zu schätzen. Augenärzte fordern aber auch die Krankenkassen und Gesundheitspolitiker zu mehr Engagement für die Augengesundheit auf und zu mehr Ehrlichkeit in der gesundheitspolitischen Diskussion.