Pressekonferenz 2011

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Neue Therapie schützt das Augenlicht von Diabetikern

Mehr als 1700 Menschen haben 2010 wegen diabetischer Folgeschäden ihr Augenlicht verloren. In den kommenden Jahren könnten es mehr werden, denn die Zahl der Diabetiker steigt an. Eine neue Behandlungsmethode, die Gabe von Medikamenten direkt ins Auge, verbessert jetzt die schon bestehenden Möglichkeiten, das Augenlicht von Diabetikern zu bewahren.

Die erhöhte Zuckerkonzentration im Blut schädigt die Netzhaut (Retina) des Auges: Die Netzhautgefäße werden undicht, so dass Blut in das umliegende Gewebe sickert, sich Flüssigkeit einlagert (Ödem) oder sich fettähnliche Stoffwechselschlacken ablagern. Betreffen Schwellungen und Blutungen das für das scharfe Sehen verantwortliche Zentrum der Netzhaut, die Makula, entsteht ein diabetisches Makulaödem. Die Patienten nehmen ihre Umgebung verschwommen und möglicherweise verzerrt wahr.

Schon seit mehr als 40 Jahren nutzen Augenärzte Laserlicht, um erkrankte Netzhautgefäße zu veröden oder abzudichten und damit das Sehvermögen zu erhalten. Die Laserkoagulation ist bei der schweren Form, der proliferativen diabetischen Retinopathie mit krankhafter Gefäßneubildung die Therapie der ersten Wahl mit sehr guten Erfolgsaussichten. Auch beim diabetischen Makulaödem werden Gefäße mit dem Laser gezielt abgedichtet. Das Risiko, Sehvermögen für immer zu verlieren, lässt sich so deutlich verringern. Allerdings kann die Lasertherapie auch Nebenwirkungen haben. Je nachdem, welche Technik zum Einsatz kommt, sind Einbußen beim Kontrast-, Farben- und Dämmerungssehen möglich.

Seit kurzer Zeit steht eine medikamentöse Behandlung zur Verfügung. Sie verbessert die Chancen, beim diabetischen Makulaödem das Sehvermögen zu erhalten: Die schon bei der feuchten Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) etablierten Medikamente Ranibizumab (Lucentis®) und Pegaptanib (Macugen®) sind auch bei Patienten mit diabetischem Makulaödem über einen Zeitraum von bisher ein bis zwei Jahren wirksam und zum Teil effektiver als die Laserbehandlung. Die Medikamente müssen unter den sterilen Bedingungen eines Operationssaals ins Augeninnere gespritzt werden. Dies geschieht ambulant und ist nach Betäubung durch Augentropfen schmerzfrei. Allerdings muss die Behandlung wiederholt werden: rund sieben bis neun Mal im ersten Jahr und danach häufig auch weitere Male. Die Patienten profitieren dafür von einer höheren Lebensqualität: Die bessere Sehschärfe steigert unter anderem ihre Mobilität und die Lesefähigkeit.

Noch besser, als diabetische Augenkrankheiten erfolgreich zu behandeln, ist es allerdings, sie zu vermeiden. Ärzte und Patienten können gemeinsam verhindern, dass Diabetes überhaupt "ins Auge geht": Wichtig ist dafür eine konsequent gute Einstellung des Blutzuckers (zu ersehen am HbA1c-Wert) und des Blutdrucks. Voraussetzung für ein erfolgreiches Krankheitsmanagement ist, dass alle Diabetiker ihre Augen regelmäßig vom Augenarzt untersuchen lassen: Liegen bisher keine Veränderungen vor, dann reicht eine Untersuchung pro Jahr aus. Wenn erste Netzhautveränderungen auffallen, wird der Augenarzt mit dem Patienten abstimmen, in welchen Abständen er zu Kontrollen kommen sollte und wann eine Behandlung notwendig ist.