Pressekonferenz 2011

Behrens-Baumann

Infektionen am Auge: Wenn unter Kontaktlinsen Keime gedeihen

Kommen zu Wochenbeginn junge Patienten mit roten, schmerzenden und entzündeten Augen in die Augenarztpraxis, dann berichten sie häufig ähnliche Geschichten: Sie wollten bei einer Party am Wochenende mit farbig bedruckten Kontaktlinsen auffallen. Oder sie haben ihre weichen Korrektionslinsen länger getragen als empfohlen. Wichtige Vorsichts- und Hygienetipps gerieten in Vergessenheit. Beim Blick durch die Spaltlampe zeigen sich dann Trübungen der Hornhaut, die auf eine Entzündung, eine Keratitis hinweisen.

Weiche Kontaktlinsen sind auffällig häufig an Infektionen der Augenoberfläche beteiligt. Werden die Kontaktlinsen über die empfohlene Tragedauer hinaus verwendet, sind Komplikationen zu befürchten. Wesentlich ist zudem die Hygiene: Händewaschen vor dem Einsetzen und Herausnehmen der Linsen, gründliche Reinigung und sorgfältige Aufbewahrung in speziell dafür angebotenen Lösungen sind unverzichtbar. Auch die Linsenbehälter sollten regelmäßig ausgetauscht werden.

Wer diese Regeln nicht beherzigt, ebnet Krankheitserregern den Weg ins Auge. In der feuchten Kammer zwischen Kontaktlinse und Hornhaut vermehren sich die Keime besonders gut. Hinzu kommt, dass die Kontaktlinse den Wischeffekt der Augenlider verringert und die Augenoberfläche deshalb nicht so gut gereinigt wird.

Als Erreger kommen Bakterien, Pilze und Parasiten in Frage. Ein Bindehautabstrich und, falls nötig, eine Gewebeprobe helfen, den Erreger genau zu bestimmen. Zu den Bakterien, die die Entzündung auslösen können, zählen gramnegative Pseudomonaden und grampositive Streptokokken. Aber auch Pilze oder Parasiten wie die möglicherweise im Trinkwasser vorhandenen Akanthamöben kommen als Erreger in Frage. Schließlich können noch Vireninfektionen das Auge schädigen - unabhängig von Kontaktlinsen.

Mit antibiotischen Augentropfen lassen sich Bakterieninfektionen in den Griff bekommen. Dabei gilt die Devise: Nicht kleckern, sondern klotzen. Mit hoher Dosierung über einen kurzen Zeitraum werden die Erreger am besten bekämpft. Denn eine Unterdosierung fördert die Resistenzentwicklung. Die Behandlung dauert in der Regel eine Woche, maximal zieht sie sich über zehn Tage hin.

Ist nicht nur die Augenoberfläche von Bakterien infiziert, kommen neben Augentropfen auch andere Darreichungsformen der Antibiotika in Frage. Liegt eine Entzündung im Augeninneren (Endophthalmitis) vor, kann der Wirkstoff in die Augenkammer oder in den Glaskörper gespritzt werden. Eine systemische Gabe von Antibiotika beispielsweise in Tablettenform ist bei Augeninfektionen meist nur als ergänzende Therapie ratsam, dann aber in höchstmöglicher Dosierung, denn eingenommen als Tablette, kommt von dem Medikament nicht sehr viel im Auge an. Bei einer stationären Behandlung kann das Antibiotikum auch intravenös in den Blutkreislauf gegeben werden - dann ist eine höhere Dosierung möglich und somit die Wirkung stärker als bei oraler Gabe.

Den Augenärzten steht für die rasche Therapie bakterieller Augenentzündungen der "Magdeburger Dreistufenplan" zur Verfügung. Er enthält je nach Schwere des Krankheitsbilds Ratschläge für die Behandlung, die ein wirksames Eingreifen schon dann ermöglichen, wenn noch kein Erreger nachgewiesen wurde.