Pressekonferenz 2008

Bertram

Zwei Augen sehen mehr als eins

Sechs Prozent aller Kinder in Deutschland werden nie ihre volle Sehkraft erlangen, obwohl die Einschränkung vermeidbar wäre. Der Grund sind unbemerkt gebliebene Sehfehler im Kleinkindalter. Ein Zehntel aller Kinder ist von solchen Sehstörungen betroffen, die unbehandelt eine Amblyopie zur Folge haben: Ein Auge bleibt unwiderruflich schwachsichtig.

Bei kleinen Kindern fällt Fehlsichtigkeit normalerweise nicht auf – nur der Augenarzt kann sie mit Erfahrung und speziellen Untersuchungsmethoden aufspüren. Im Säuglings- und Kleinkindalter ist die Chance am besten, den ins Stocken gekommenen Lernprozess wieder in Gang zu bringen. Doch eine zu spät erkannte Amblyopie führt zu bleibenden Sehbehinderungen. Und ihr Leben lang sind diese Menschen der Bedrohung ausgesetzt, dass ihrem einzigen funktionstüchtigen Auge etwas zustößt.

Augenärzte und Pädiater haben gemeinsam ein Konzept zur Früherkennung der Amblyopie entwickelt. Dies empfiehlt, dass die Kinderärzte Kinder, in deren Familie Schielen und/oder Fehlsichtigkeiten bekannt sind, bei der U5 im Alter von sechs Monaten an den Augenarzt zu einer Vorsorgeuntersuchung überweisen. Das Gleiche gilt für Frühgeborene. Bei der U7 für Zweijährige werden alle Eltern aufgefordert, das Kind mit zweieinhalb Jahren beim Augenarzt vorzustellen. Wenn bei der mittlerweile häufig erfolgenden kinderärztlichen Untersuchung im Alter von drei Jahren (U7a) die Augenarztuntersuchung noch nicht erfolgt ist, wird das Kind nochmals dem Augenarzt überwiesen. Dieses Konzept hat sich im Alltag in vielen Städten bewährt und breitet sich immer weiter aus.

Bisher sind die Augenärzte leider noch nicht an den Kindervorsorgeuntersuchungen der gesetzlichen Krankenkassen beteiligt. Im Zuge der Kostendämpfungsmaßnahmen wird den Augenärzten auch für die Kinderuntersuchungen immer häufiger mitgeteilt, dass Leistungen, die nicht zum Leistungskatalog der GKV gehören, nicht über die Chipkarte abgerechnet werden dürfen und von den Eltern zu bezahlen seien.

Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA) hat 2003 erneut einen Anlauf gestartet, um augenärztliche Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern endlich in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen einzubringen. Dazu hat der BVA gemeinsam mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJD) über die Kassenärztliche Bundesvereinigung einen Antrag an den Gemeinsamen Bundesausschuss gestellt, der entscheidet, welche Leistungen die Krankenkassen bezahlen. Auch Gesundheitspolitiker und die Kassenärztliche Bundesvereinigung wollen die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen ausbauen, um Kinder besser vor gesundheitlichen Schäden, seelischen Problemen und Vernachlässigung zu schützen. Da gutes Sehen von enormer Bedeutung für die Zukunft der Kinder ist, ist der BVA optimistisch, den Gemeinsamen Bundesausschuss von der Notwendigkeit der augenärztlichen Amblyopievorsorge zu überzeugen.

Die Augenärzte kämpfen mit vollem Einsatz dafür, dass die augenärztliche Amblyopievorsorge möglichst bald Kassenleistung wird, und bitten die Medien um Unterstützung.