Pressekonferenz 2008

Helbig

AMD Rasanter Wissenszuwachs

Lange Zeit war die Medizin machtlos gegen die „Altersblindheit„. Erst seit kurzem stehen die ersten erfolgreichen therapeutischen Strategien zur Verfügung und zahlreiche neue Behandlungsansätze sind in der Erprobung. Das Wissen über die Altersabhängige Makuladegeneration, der heute häufigsten Ursache von Sehbehinderungen in Deutschland, wächst rasant.

So gelang es durch jüngste Forschungsergebnisse, die genetische Veranlagung als einen der wichtigsten Risikofaktoren für die AMD zu identifizieren. Der Anteil erblicher Einflüsse wird auf 71 Prozent geschätzt. Neue Erkenntnisse belegen: Bestimmte Varianten im Komplementfaktor H-Gen und in den Genen für die Komplementfaktoren B und C tragen ein erhöhtes AMD-Risiko. Das Komplementsystem ist ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems. Diese Befunde sprechen für eine Beteiligung von Entzündungsmechanismen bei der AMD. Ein weiteres wichtiges Gen wurde kürzlich in Regensburg erstmals identifiziert, das LOC387715, dessen Funktion noch unklar ist. Liegen bestimmte Genvarianten vor, ist das Risiko, an AMD zu erkranken, über 50-fach erhöht. Diese Befunde geben der Augenheilkunde Ansatzpunkte zu untersuchen, warum manche Menschen schon mit 50 Jahren und andere nie eine AMD entwickeln, welche krankhaften Vorgänge an den frühen Phasen beteiligt sind und welche Strategien erarbeitet werden müssen, um in Zukunft effektiver vorbeugen zu können.

Als einen der großen Durchbrüche der gesamten Wissenschaft der letzten Zeit hat das führende Wissenschaftsmagazin „Science„ die neue Behandlung der feuchten Form der AMD mit Antikörpern gegen den Wachstumsfaktor VEGF bezeichnet. Während unbehandelt fast alle Patienten ihre zentrale Sehschärfe innerhalb weniger Monate verlieren, kann jetzt die Sehkraft der meisten Betroffenen über Jahre erhalten werden.

Die Behandlung ist mit hohen Kosten verbunden. Es ist Aufgabe der Politik, entweder die benötigten Mittel für medizinische Innovationen zur Verfügung zu stellen oder der Bevölkerung klar zu sagen, dass nicht jeder Erkrankte davon profitieren kann, weil kein Geld da ist. Diese unangenehme Aufgabe darf nicht, wie es leider üblich geworden ist, auf die Ärzteschaft abgewälzt werden. Schon die praktische Umsetzung dieser neuen Behandlungen für die vielen betroffenen Patienten ist eine große Herausforderung für die Augenärzte.

Während es bei der feuchten AMD bereits sehr erfolgreiche Behandlungen gibt, ist die trockene Form der Krankheit bisher keiner Therapie zugänglich. Aber auch hier zeigt sich Licht am Ende des Tunnels: Fenretinide. Dieser Hemmstoff des Vitamin A wurde in der Vergangenheit bereits als Krebsmittel eingesetzt. Da Vitamin A ein wesentlicher Bestandteil des Sehpigments ist, lässt sich mit dem Medikament der Stoffwechsel des Sehpigments bremsen. Es besteht die Hoffnung, dass sich dadurch weniger Ablagerungen unter der Netzhaut bilden können und somit der Krankheitsprozess verlangsamt oder gar aufgehalten wird.


Weitere Informationen zum Thema AMD finden Sie
a) unter
www.augeninfo.de/patinfo/pi_mak.php
b) in den AAD-Pressemappen der vergangenen Jahre:
www.aad-kongress.de/presse/vollseite.php?presse_id=97,
www.aad-kongress.de/presse/vollseite.php?presse_id=81,
www.aad-kongress.de/presse/vollseite.php?presse_id=67
c) bei der Selbsthilfevereinigung Pro Retina Deutschland e.V.
www.pro-retina.de