Pressekonferenz 2008

Knorz

Klare Sicht bis ins hohe Alter

Die Presbyopie (Alterssichtigkeit) beginnt im fünften Lebensjahrzehnt und ist im höheren Alter mit 95 Prozent die häufigste Fehlsichtigkeit. Den Augenärzten stehen heute vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung, ihren presbyopen Patienten zu klarer Sicht für alle Entfernungen zu verhelfen. Neben den längst bewährten Mehrstärkenbrillen und jüngsten Innovationen auf dem Gebiet der Kontaktlinsen gewinnt die refraktive Chirurgie bei der Presbyopie-Korrektur immer mehr an Bedeutung.

Völlige Unabhängigkeit von Brille oder Kontaktlinse kann unter bestimmten Voraussetzungen die Implantation multifokaler Intraokularlinsen (MIOL) ermöglichen. Sie ersetzen die natürliche Augenlinse und können sowohl Myopie (Kurzsichtigkeit), Hyperopie (Übersichtigkeit) als auch die Presbyopie ausgleichen. Ringförmige optische Zonen bündeln das Licht in verschiedenen Brennpunkten und ermöglichen dem Auge scharfe Sicht in der Ferne, auf mittlere Distanzen und im Nahbereich.

Patienten, die ihr Leben lang ohne Brille oder Kontaktlinsen gut sehen konnten und nun presbyop sind, profitieren möglicherweise von einem neuen Verfahren, dem AcuFocus Hyperopie-Implantat. Das Prinzip dieses Implantats beruht auf der „stenopäischen Lücke“. In die Hornhaut des nicht dominanten Auges wird ein dünnes Lochblenden-Plättchen eingesetzt. Durch die enge Blende verkleinern sich die Zerstreuungskreise der Netzhautbilder; die dadurch erreichte größere Schärfentiefe bewirkt eine verbesserte Sehleistung. Sollte das Implantat die Erwartungen des Patienten nicht erfüllen, kann es ohne Folgen wieder entfernt werden. Diese neue Möglichkeit der Presbyopie-Korrektur befindet sich noch im Stadium der wissenschaftlichen Erprobung. Eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. med. Michael Knorz am Universitätsklinikum Mannheim beteiligt sich an der internationalen Studie.

Auch die refraktive Hornhautchirurgie mit dem Laser bietet eine Möglichkeit, die Abhängigkeit von der „Lesebrille“ zu reduzieren. Das Verfahren der Monovision LASIK bei Myopen ist so konzipiert, dass die Kurzsichtigkeit des Patienten am dominanten Auge vollständig korrigiert wird, am nicht dominanten dagegen nur zum Teil. Das vollständig korrigierte Auge dient für die Ferne, das nur teilweise korrigierte für den Nahbereich.

Forschung und Entwicklung widmen sich weiterhin intensiv der Aufgabe, die „Alterssichtigkeit“ für die Betroffenen bedeutungslos werden zu lassen. Die Möglichkeiten, Patienten von der häufigsten Form der Fehlsichtigkeit zu befreien, nehmen ständig zu. Zugleich gilt es, neue, standardisierte Messverfahren zu entwickeln. Präzise objektive und subjektive Messungen sind erforderlich, um den Erfolg neuer Methoden der Presbyopie-Korrektur zu überprüfen und sie zu optimieren. Doch allein schon die Vielfalt der bereits ausgereiften optischen und chirurgischen Korrektionsverfahren versetzen den Augenarzt heute in die Lage, die individuellen Ansprüche jedes Menschen zu erfüllen, der sich nicht auf die „Lesebrille“ beschränken will. Um die Bandbreite der Optionen für klare Sicht bis ins hohe Alter zu nutzen, bedarf es allerdings der eingehenden Untersuchung durch den Augenarzt, und ebenso kann allein er die bestmögliche Lösung beurteilen und seinem Patienten bieten.