Pressekonferenz 2007

Schmidt

Zuckerkrankheit bedroht das Augenlicht Laser kann Erblindung verhindern Vitrektomie: die Operation, wenn nichts mehr hilft

Heute wissen die meisten Diabetiker, dass ihre Stoffwechselstörung auch ihren Augen gefährlich werden kann. Und fast alle Internisten und Hausärzte überweisen ihre Patienten mit der Diagnose Diabetes mellitus auch gleich zum Augenarzt, damit er die Auswirkung der Zuckerkrankheit auf die Netzhaut von Anfang an genau beobachten kann. Wann erste Veränderungen auftreten und wie die diabetische Netzhautkrankheit (Retinopathie) verläuft, hängt u. a. davon ab, ob es sich bei der Stoffwechselkrankheit um den Diabetes-Typ I (genetisch bedingt) oder um Typ II ("Altersdiabetes", ernährungsbedingt) handelt.

Wenn erreicht wird, dass Zucker und Blutdruck medikamentös dauerhaft gut eingestellt sind und der Patient seine regelmäßigen augenärztlichen Kontrolltermine wahrnimmt, können schwere, das Sehvermögen gefährdende Netzhautschäden durch rechtzeitig beginnende, intensive Lasertherapie zumeist vermieden werden.

Leider gelingt es aber nicht immer, den Verlauf dieser durch Diabetes hervorgerufenen Netzhautkrankheit im frühen Stadium zu stoppen oder wenigstens zu verlangsamen.
Aus der diabetischen Retinopathie kann sich eine proliferative diabetische Retinopathie entwickeln. Bei dieser fortgeschrittenen Verlaufsform sammelt sich Flüssigkeit unter der Netzhaut (Netzhautödem), sie wird nicht mehr ausreichend ernährt, Sehzellen sterben ab. Als Reaktion auf diese Notlage schüttet der Körper Wachstumsfaktoren im Überfluss aus. Sie bewirken, dass sich völlig unkontrolliert ganz neue Gefäße bilden, aber das sind keine gesunden Gefäße; sie sind schadhaft und brüchig, wuchern in den Glaskörper und füllen ihn - weil sie undicht sind – mit Flüssigkeit und Blut. In diesem Stadium geht meist die zentrale Sehschärfe verloren und bei Blutungen in den Glaskörper auch Teile des Gesichtsfeldes. Für Laserbehandlungen ist es nun zu spät.

Lichtblick: Glaskörperoperation (Vitrektomie)

Bis zwei Stunden dauert der mikrochirurgische Eingriff, der heute in den Netzhautzentren großer Kliniken an der Tagesordnung ist. Damit lassen sich viele Netzhautveränderungen etwa bei Venenverschlüssen, bei schwersten Augenverletzungen und bei der proliferativen diabetischen Retinopathie behandeln. Für die Operation sind drei Instrumente gleichzeitig erforderlich, die an drei verschiedenen Stellen in den Augapfel eingeführt werden. Um dabei weder Gefäße noch Netzhaut zu gefährden, erfolgen die Einschnitte nahe dem äußeren Rand der Lederhaut, in einem Bereich, den die Augenärzte als "anatomisches Niemandsland" bezeichnen. Dafür, dass der Druck im Auge während der Operation stabil bleibt, sorgt eine Infusion und für die Ausleuchtung eine ins Auge geleitete Lichtquelle. Durch den dritten Einschnitt führt der Chirurg das eigentliche Operationsinstrument ins Augeninnere, mit dem er den Glaskörper zerkleinert und zusammen mit dem kranken Gewebe und den Einblutungen absaugt. Als Glaskörperersatz, der dann auch die Netzhaut wieder fest an ihre Unterlage, die Aderhaut, presst, dienen durchsichtige Substanzen, wie klare Salzlösungen, Gase oder Silikonöl. Mithilfe dieser aufwendigen Operation können die Netzhautchirurgen heute auch in früher hoffnungslosen Fällen, vielen Patienten ihr Augenlicht retten.